Buchtipp im Gedenken an Oma Helene (Ostpreußische Küche)

19. Juli 2017


Meine lieben Leser.

Heute gibt’s von mir wieder einen Buchtipp – aber dieses Mal berühren mich diese Bücher sehr. Keiner von euch wird es bisher wissen, aber meine Großmutter mütterlicherseits ist damals im 2. Weltkrieg aus Ostpreußen vertrieben worden und übers Frische Haff geflohen. Sie hätte sogar auf der Gustloff (ein großes Passagierschiff, welches versenkt wurde und bei dessen Untergang 5.000 – 10.000 Menschen starben) sein sollen, aber durch einen schrecklichen Schicksalsschlag, den ich hier jetzt nicht weiter ausführen will, schafften sie es nicht aufs Schiff zu kommen. Heute sage ich dazu Gott sei Dank, denn wenn meine Oma und ihre Geschwister es aufs Schiff geschafft hätten, säße ich heute nicht hier und diese Zeilen würden niemals geschrieben werden. Ich habe viele schreckliche Kriegsgeschichten gehört – leider nicht von meiner Großmutter selbst, denn sie hat nie darüber gesprochen und starb bereits, als ich 9 Jahre alt war. Ihre Schwester, die damals noch jünger war, erzählte uns später viel von der damaligen Zeit und meine Mutter und ich besuchten bereits zwei Mal den Ort, an dem meine Großmutter aufwuchs. Im heutigen Polen gelegen und früher ostpreußisches Staatsgebiet, gibt es einen Ort, der auf Deutsch Mohrungen heißt. Dort wuchs meine Großmutter in einer Siedlung mit Einfamilienhäusern für kinderreiche Familien auf. Das Haus steht heute noch und sogar die Dielen auf dem Dachboden haben dieselbe Farbe wie zu meiner Omas Zeit dort. Heute leben dort die Nachfahren des Mannes, der damals meine Großmutter aus ihrem Haus vertrieben hat – ich kann keinen Groll gegen diese Menschen hegen, denn sie sind selbst vertrieben worden und ihre Nachfahren können nichts dafür. Es war Krieg. Keiner von uns weiß, wie wir reagieren würden, wenn um uns herum so ein Chaos herrschen würde. Keiner von uns kann die Vergangenheit ändern, wir können nur aus ihr lernen und die Zukunft besser machen. Die Menschen, die nun heute in dem Haus leben, sind wirklich nette Leute und meine Mutter hält losen Briefkontakt mit Halina und ihrer Familie. Natürlich gibt es Sprachbarrieren, denn es sind Polen, die kein Deutsch sprechen und wir sind deutsche, die kein Polnisch beherrschen. Aber eine Sprache ist universal über Länder- und Sprachgrenzen hinweg: Gastfreundschaft und gutes Essen. Als wir das erste Mal in Mohrungen waren und mit einem netten alten Herrn, Herrn Preuß, der als Deutscher damals dort geblieben ist und die polnische Identität angenommen hat (und ganz nebenbei noch perfekt deutsch sprach, obwohl er es lange Zeit nicht sprechen durfte), wurden wir mit so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft aufgenommen, als wären wir schon ewig Freunde und nicht einfach nur durch das Schicksal unserer Familien zufällig vereint. Es war ein schöner Nachmittag mit vielen Tränen und der Tisch bog sich, weil es so viel zu essen gab. Ich weiß, ihr seht mich nicht, wenn ich diese Zeilen schreibe, aber ich muss zugeben, dass mir, während ich die Besuche nochmal Revue passieren lasse, Tränen in den Augen stehen. Ja, manchmal kann ein Foodblog auch durchaus emotional sein. Ich habe schon oft überlegt, diese Geschichte aufzuschreiben. Bisher konnte ich mich nicht überwinden, denn ich weiß, es würde mich sehr mitnehmen, all die Dinge, die wir wissen, auf Papier zu sehen. Aber andererseits ist es vielleicht heutzutage wichtiger denn je. Naja, zurück zum eigentlichen Thema.


Als ich dann sah, dass der Bassermann Verlag Bücher über ostpreußische und schlesische (die Oma meines Freundes kommt aus Schlesien und die Familie hatte dort eine Sauerkraut- und eingelegte Gurken-Fabrik) Gerichte hatte, war es um mich geschehen. Dadurch, dass meine Großmutter schon in 1999 gestorben ist, konnte ich sie nie über all die traditionellen Speisen aus ihrer Heimat ausquetschen und leider hatte sie weder ein Rezeptbuch noch eine Zettelwirtschaft mit wenigstens Zutaten. All mein Wissen über meine Wurzeln muss ich mir also aus anderer Quelle beschaffen. Da kamen mir die Bücher, die ich euch heute vorstelle, durchaus gelegen.

Fangen wir doch mit dem an, in dem es um Ostpreußen geht. Der Autor Harald Saul ist der Verfasser vieler dieser Bücher über die Küche Ostpreußens, Schlesiens oder Pommerns. Alles in allem haben sie einiges gemeinsam – die meisten Dinge sind günstig, unglaublich lecker und nahrhaft.


Im Buch „Alte Familienrezepte aus Ostpreußen“ geht es bei mir mit Tränen in den Augen bereits auf der ersten Seite los. Denn dort ist das Ostpreußenlied abgedruckt und sobald ich diese Zeilen lese, bin ich wieder in dem Geburtsort meiner Großmutter oder fahre vor meinem inneren Auge durch dunkle Wälder, endlose Alleen und an kristallnen Seen vorbei. In den nachfolgenden Kapiteln sind jeweils die Familiengeschichten aufgeschrieben und passende Rezepte eingefügt. Es gibt in diesem Buch also keine Einteilung nach Vorspeise, Hauptgang, Dessert, sondern eben all die Kleinigkeiten und Rezepte, die eine Familie so einzigartig machen. Es sind natürlich viele Rezepte mit Fleisch dabei, die mich jetzt nicht ansprechen, aber es sind durchaus viele leckere, für Vegetarier geeignete Rezepte dabei, die ich ausprobieren möchte. Wenn ich an die Gerichte denke, läuft mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammen… Da wäre z.B. die Memeler Kartoffelklöße mit Quarkfüllung, Andersens Quark-Sauerkirsch-Auflauf, Tilsiter Kirschwaffeln, Tilsiter Mangoldrouladen mit Quarkfüllung, Senfeier, Hausgemachten Bärenfang oder aber Marzipan, Buttermilchsuppe, Reuschenfelder Himbeerkuchen und Himbeerlikör, Sauerampfersuppe, Oma Anna’s Kartoffelsalat, Johannisburger Kartoffelauflauf oder Apfelkuchen…. Hach. Es gibt noch sehr viel mehr Rezepte, die man durch Weglassen der Fleischbestandteile als Veggie essen könnte, aber irgendwie möchte ich das Andenken an die langgehegten Familienrezepte nicht durch mein Rumstümpern „zerstören“. Die Gerichte würden sowieso anders schmecken als damals und dann halte ich mich lieber an die, die ich original nachkochen kann.


Das Buch ist ein unerschöpflicher Quell des Wissens und der Geschichten und ich empfehle, zuerst die Familiengeschichten zu lesen und dann die Gerichte nachzukochen. Ganz untypisch für mich, macht mir nichtmal das Fehlen der Essensbilder etwas aus. Ich hauche den Gerichten einfach mit den Fotos auf meinem Blog hier etwas Leben ein. So, ich denke, so langsam habe ich genug geschrieben – kommen wir doch zu der Leckerei, die es heute hier gibt. Ich habe mich für ein süßes Rezept entschieden, nämlich die Tilsiter Kirschwaffeln. Laut Rezept ist es ein Waffelturm und ich freue mich jetzt schon drauf, obwohl ich sie noch gar nicht gebacken habe. Also los geht’s.
 


Dadurch, dass es alte Rezepte sind, habe ich es ein wenig angepasst. Im Original-Rezept ist z.B. kein Backpulver. Ich habe meine Waffeln zu einem Turm aufgeschichtet. So genau ist das in dem Buch leider nicht angegeben – aber ich denke, mein Waffeltürmchen macht jedem Ostpreußen alle Ehre.
Muss ich hinzufügen, dass sie herrlich schmecken? Nein, oder? Knusprig, irgendwie nach Kindheit und Heimat und ich schwöre euch, es ist nicht das letzte ostpreußische Rezept, welches auf diesem Blog landet.


So, für heute ist es genug – ich liebe Geschichte und Geschichten und da ich noch einige andere Bücher dieser Reihe rezensieren will, werdet ihr also noch viel von damals lesen.

Sobald die Posts zu Familienrezepte aus dem Sudetenland, Familienrezepte aus Schlesien und Familienrezepte aus Pommern online sind, werde ich sie hier verlinken.

Lasst es euch schmecken – man liest sich.


Classic New York Cheesecake + 2 Bücher zum Thema

12. Juli 2017



Meine lieben Leser.

 Vor einigen Wochen war ich in Amerika, besser gesagt New York. Dort habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, ein Stück echten New York Cheesecake zu essen. Er war wirklich lecker – wenn auch etwas zu süß für meine Verhältnisse. Ungewohnt ist für uns deutsche natürlich nicht nur die Textur des Käsekuchens, sondern auch das klassische saure Sahne Topping. Für mich war das auch neu, denn ich kannte es bisher nicht, dass Käsekuchen noch ein Topping bekommt. Naja. Als ich wieder in Deutschland war, holte ich mir zwei Bücher zum Thema und will sie euch passenderweise auch heute noch kurz vorstellen. Alle beide sind wirklich schöne Bücher mit leckeren Rezepten und grandiosen Bildern. Aber kommen wir erstmal zum Cheesecake, oder? Es ist das Geheimrezept von Cynthia Barcomi – ihr klassischer New York Cheesecake, den sie in ihrem Laden seit Jahren serviert. Sogar mit fast echter Graham-Cracker-Crust. Also…sort of.


Die Rezeptkarte wie immer mit einem Rechtsklick und "Grafik speichern unter..." herunterladen und sammeln.



Kuchen am besten 12 Stunden vor Servieren backen, maximal 36 Stunden vorher. Hetzt euch nicht, wenn ihr diesen Kuchen zubereitet – der Boden muss abkühlen und die Creme muss auch abkühlen, bevor ihr die Glasur darauf verteilt.

So, und nachdem wir jetzt gemütlich bei einem Stück Cheesecake sitzen, erzähle ich euch noch ein wenig über die Bücher, die ich mir zum Thema geholt habe.


Wer mich von euch schon länger hier auf meinem Blog beehrt, der weiß, dass meine „Backkarriere“ mit Cynthia Barcomi‘s erstem Buch anfing. Ich buk so ziemlich alles daraus nach und das entfachte meine Leidenschaft fürs Backen erst so richtig. Und als ich sah, dass sie ein Buch zum Thema Cheesecakes, Pies & Tartes rausgeback… äh, rausgebracht hat, war ich natürlich Feuer und Flamme. Dieses Buch ist in New York entstanden, also passte es nicht nur zum Thema, sondern auch zu meiner Reise und ihren Erinnerungen daran. Gegliedert ist ihr Buch in 8 Kapitel und zwar: I love Cheesecakes, Cheesecake Bars, Gluten free Cheesecakes, Hello Miss American Pie, Homemade in Europe, Gluten free Tarts, Free Form and Hybrids und Savory Cheesecakes, Pies & Tarts. Hallo? Gluten free? Kann das schmecken? Braucht man dafür nicht tonnenweise Spezialzutaten? Nein – das ist das Schöne an diesem Buch. Sie macht ihre glutenfreien Böden z.B. aus Mandeln und Cornflakes und nicht aus teurem glutenfreien Mehl. Alles Dinge, die man für wenig Geld kaufen kann und so jedem glutenunverträglichen Menschen eine Freude machen kann. Kuchen, die ich mir schon zum Nachbacken markiert habe sind z.B.: Chocolate Swirl Cheesecakes Bars, Gluten Free Banana Cheesecake, Blueberry Cornbread Cheesecake. Aber auch die Pies in ihrem Buch haben es mir angetan, wie z.B.: Coconut Cream Pie und der Pecan Walnut Pie. Nicht zu vergessen sind auch die leckeren Kleinigkeiten im Kapitel Free Form and Hybrids. Hier würde ich gern in nächster Zeit backen: Blueberry Pocket Pies, den Townie (Tarte&Brownie), Bear Claws und nicht zu vergessen die herzhaften Sache im Kapitel Savory Cheesecakes, Pies & Tarts: Spinach Ricotta Cheesecake, Turnovers mit Veggies und Cheese oder die Deconstructed French Onion Soup Tart. Alles in allem ist es ein unglaublich schönes Buch geworden mit interessanten Rezepten und schönen Bildern. Auf jeden Fall einen Kauf wert.


Das zweite Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, ist I love Cheesecake von Christin Geweke. Auch dieses Buch ist mit viel Liebe gestaltet und die Rezepte sind sehr abwechslungsreich. Dieses Buch enthält ein Kapitel mit Basics und Tipps und 4 Kapitel mit Rezepten. Die Kapitel sind unterteilt in: Klassiker, Frucht, Schokolade und Spielereien.

Im ersten Kapitel „Klassiker“ trifft man nicht nur auf den klassischen New York Cheesecake, sondern auch auf deutschsprachige Kuchen wie einen Quark-Mohn-Kuchen, die Wiener Topfentorte, Käsekuchen vom Blech oder aber auch den Russischen Zupfkuchen. Im zweiten Kapitel – Frucht – gibt es Rezepte für z.B. den Pumpkin Swirl Cheesecake, einen Mango-Kokos-Cheesecake oder auch einen veganen Cashew Cheesecake. Allesamt hören sie sich sehr interessant an und sind auf jeden Fall auf den ersten Blick etwas fürs Auge. Beim dritten Kapitel „Schokolade“ zeigt uns die Autorin wie Vielseitig Schokolade sein kann mit Rezepten wie: Cheesecake Brownies, White Chocolate Cheesecake mit Blaubeeren oder aber Espresso Cheesecake. Das Kapitel „Spielereien“ ist wirklich witzig, denn dort findet man u.a . einen Käsekuchen im Glas oder einen Vanilla Strawberry Cheesecake Shake. Alles in allem eine klare Empfehlung von mir.


Alles in allem könnte ich mir mit alle den Rezepte, die ich gerne nachbacken würde, locker 20 Kilogramm extra anfuttern. Aber es wären gute 20 Kilogramm.

Wie ist das bei euch? Liebt ihr Cheesecakes & Käsekuchen genauso wie ich?


*Die Bücher habe ich als Rezensionsexemplare vom jeweiligen Verlag bekommen.

Französisch Backen von Aurélie Bastian

5. Juli 2017


Meine lieben Leser.

Ich muss ja zugeben, dass ich kein allzu großer Freund von Frankreich bin. Ich weiß, ich weiß, Vorurteile Juchee, aber es ist kein Land, in das es mich zieht. Auch die Sprache finde ich nicht so toll und romantisch wie der Rest der Menschheit (es gibt schon einen Grund dafür, warum ich in der Schule Spanisch als zweite Sprache genommen habe). Trotzdem erkenne ich natürlich die hervorragende Küche an und gerade bei Gebäck, macht den Franzosen so schnell keiner was vor. Also führte ich mir auch das neue Buch von Aurélie Bastian zu Gemüte und es ist herrlich geworden. Die Autorin selbst ist sehr sympathisch und eine wunderschöne Frau, die hervorragendes Gebäck zustande bringt. Aber kommen wir zum Buch. Auf den ersten Blick ist es wunderschön gestaltet und die Bilder springen einem natürlich sofort ins Auge. So wie ich das nachvollziehen kann hat Aurélie einen Großteil der Fotos auch selbst gemacht – mache ich ja bei meinen Büchern auch so – und ich finde, das macht den Charme des Buchs aus. Man merkt die Liebe, mit der gebacken, gekocht und fotografiert wurde.


Das Buch ist in 4 Kapitel eingeteilt (Frühstück, Gebäck, Kaffeezeit und besondere Anlässe) und man bekommt vorher noch einige Tipps und Tricks offeriert. Rezepte, die mir ins Auge gesprungen sind, sind z.B.: Hausgemachte Croissants in vielen Variationen, natürlich Baguette, Brioche, Éclairs, Paris-Brest, Zitronen-Baiser-Tartelettes, Macarons, Baskischer Kuchen, Schokoladenkuchen ohne Mehl, 4/4-Kuchen, Charlotte au Chocolate, gestürzter Orangenkuchen, Bûche de Noel,… Ihr seht, ziemlich viele.


Viele der Rezepte sind zwar vereinfacht, allerdings trotzdem noch sehr aufwendig. Z.B. habe ich selten Zeit, Croissant-Teig selbst herzustellen und für einige Rezepte im ersten Kapitel braucht man ihn. Auch die Gebäcke und Torten im vierten Kapitel für besonderen Anlässe sehen herrlich aus – wenn ich mir allerdings vorstelle, eine Windbeutel-Pyramide selbst herzustellen, läuft mir jetzt schon der Schweiß. Also wirklich alles super schön anzusehen, aber mit bei der Umsetzung bleibe ich lieber bei einfacheren Rezepten. Daher habe ich heute für euch ein schönes Rezept herausgesucht, welches auch zur Jahreszeit hervorragend passt (denn wer hat im Sommer schon Lust, Stunden in der Küche zu stehen): Épi mit Dinkel. Es ist ein Brot, bzw. eine Art Baguette in meinen Augen, mit Mohn verfeinert und egal ob man es zum Frühstück isst wie Aurélie oder zum Abendessen mit etwas leckerem auf dem Grill, es schmeckt super lecker. Und es braucht auch gar nicht lange, bis das knusprige Baguette auf dem Tisch steht.


Und ab heute gibt's auf Christina macht was ganz neu: Rezeptkarten - fertig zum Download! Einfach per Rechtsklick speichern, drucken, abheften und immer wieder freuen.

Rezeptkarte mit einem Rechtsklick und Ziel speichern unter... herunterladen.

Ich habe dieses Brot zum Grillen serviert und es war durch seine Form super zum Aufteilen unter mehreren Leuten.

Also insgesamt gefällt mir das Buch sehr gut und wenn ich irgendwann mal ganz viel Zeit habe, wage ich mich auch mal an den Croissant-Teig. Versprochen.

Wie findet ihr französisches Gebäck? Alltagstauglich?

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